Zwischen Bauarbeiten, Buchladen und Buchhaltung


schnell 3 Schmankerl der Longlist:

Eugen Ruge
In Zeiten des abnehmenden Lichts
Rowohlt Verlag

G R O ß A R T I G !
Unbeding lesen!
Lügen haben dann doch ein Ost- und ein Westbein.
Ruge erzählt vom Aufstieg und Niedergang (s)einer Familie. Im Kommunismus ohne mexikanische Sonne, weht ein ganz anderer Wind. Ein groteskes Festhalten an falschen Werten, in einer Zeit und an einem Ort, die sich schon längst selbst überlebt haben. Was von außen nicht kaputt gemacht wird, besorgt die Familie untereinander. Ein zähes Ringen über drei Generationen - ein Familienroman mit deutsch-deutscher Geschichtsvermittlung. Da geht noch einiges...
und:

Judith Schalansky
Der Hals der Giraffe
Suhrkamp
Jaaa! - auch unbeunbeunbedingt lesen!
Bildungsroman, steht da noch - na gut, von mir aus.
Alleswaswirsindroman tät auch passen - da krachts mal wieder ordentlich im (Ost)Westgebälk. Auf eine ganz subtil fiese Art und Weise, dass es einem die Schuhe auszieht!
Ziemlich, ziemlich klasse!


Na und Frau Rosenfeld mit Adams Erbe ist erfreulicherweise auch auf der Liste. Die kann man hier hübsch nachschaun!













Frauenfeindlicher Schenkelklopfer

Wer sich zwischendurch mal wieder so richtig amüsieren will, sich nicht gerade im GenderKompetenzZentrum befindet, sollte endlich
bjorn ingvaldsen:
tote finnen essen keinen fisch
KIWI Paperback
lesen!
Heiratswütige Junggesellen einer kleinen norwegischen Insel, laden Robbie Williams ein, um heiratswillige Damen zu ködern. Das ist die Geschichte.
Weil aber alle so wahnsinnig knapp bei Kasse sind (und Herr Williams kostet!), Arbeit nicht gerade erfunden haben, viel trinken und dabei viele Ideen entwickeln, einer der Verrückten eigentlich ein braver, strafversetzter Bänker, zufällig die letzte, noch verbliebene Sparkasse abwickeln soll...gibt es jede Menge Trash und Cash vom Feinsten.
Als Kollateralschäden sind einige Leichen zu verbuchen, allerhand geht zu Bruch, löst sich in Rauch auf oder wird zwangsumgesiedelt.
Endlich mal wieder eine fette Attacke auf die Lachmuskeln!

Genauso gut, etwas literarischer und die perfekte Vorbereitung für den diesjährigen Frankfurter Buchmessenschwerpunkt:

Hallgrimur Helgason:
Zehn Tipps, das Morden zu beenden und
mit dem Abeasch zu beginnen
dtv
Fernsehprediger Father Friendly ist eigentlich der kroatische Auftragskiller Toxic. Der hat dem Sohn Gottes leider und notgedrungen, als Richard Kimble auf der Flucht, das Lichtlein ausgepustet.
Ausgerechnet nach Island verschlägts nun den armen Bösewicht, mittels falscher Identität und geklautem Heiligenschein. Da es für Toxic ohnehin mehr als bescheiden läuft, er dummerweise den letzten Deal total vermasselt hat, lässt er sich in Gottes Namen auf das Gute ein.
Wären da nicht die ehemaligen Killerkumpel, die noch die ein oder andere Rechnung offen haben und Toxic stante pede ans Nordmeer folgen...
Auch hier bleibt kein Auge trocken und die Lachmuskeln haben viel zu tun. Schön schräg, schön absurd - schön isländisch!




Und dann will man nur noch lesen!

Mitte ist laut, bunt und stinkt. Die Brunnenstraße raubt mir den Schlaf - macht nix. Früher wär man einfach mehr ausgegangen und hätt weniger geschlafen. Bloß nicht! Dann lieber lesen, wenn Sirenen, grölende Touristen, Straßenbahn und laute Streithähne mich aus der Schlafkurve schmeißen.
Eshkol Nevo: Wir haben noch das ganze Leben
dtv
Definitiv mein neues Lieblingsbuch! Eine Geschichte über Freundschaft, Verlust, Liebe, Treue, Betrug und über das Glück einander zu haben.
Zwischen zwei Weltmeisterschaften wird die Geschichte von vier Freunden, Anfang dreißig erzählt. Sie pflegen gemeinsame Rituale, stehen füreinander ein und werden vom Schicksal und voneinander, allesamt auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.
Was für ein Buch!
Unbedingt lesen!!!
Ebenbürtig:
Amanda Sthers: Schweine züchten in Nazareth
Roman Luchterhand
Ja, auch das ein Lieblingsbuch, auf einem Bein steht es sich bekanntlich schlecht!
Kauzig, witzig traurig . So steht's hinten drauf. Stimmt! Unterschreib ich!
Eine Familiengeschichte: Ein Vater, der nicht mehr Kardiologe sein will, sondern (in Nazareth!) Schweine züchtet. Ein schwuler Sohn, der stoisch, seit seinem Outing, um die Anerkennung seines Erzeugers kämpft und die Abtrünnigkeit des Vaters im Theaterstück verwurstet. Ein erboster Rabbi, der den Schweinemann auf den rechten Pfad zurückführen will. Eine ödipale Tochter, man ahnt ihr zentrales Problem und eine konvertierte-konvertierte Mutter und Ex-Ehefrau, die es sich nicht nehmen lässt, dem Geschiedenen jeden Kübel vor die Füße zu kippen, der sich finden lässt.
Eine Nazareth-NewYork-Paris- Connection. Da krachts an allen Ecken und Enden. Man beschimpft sich wüst und gibt dem Glück keine Chance. Außer der Rabbi und der abtrünnige Schweinezüchter. Die zeigen uns am Ende, was ein echter linker rechter Haken ist.
Heureka, da bleibt kein Auge trocken.
Und unverbesserlich, wie sie alle sind, wachsen sie einem ans Herz und man will sie gar nicht mehr gehen lassen.
Lesen! Unbedingt!
Ansonsten: die Unterbringung hier ist first class (für den Brunnenstraßenlärm kann ja keiner was), das Essen ist der Oberrocker - die Wohnung in der Hallandstraße ein einziges Desaster.
Das wird noch dauern - da ist nichts mehr, wo es eigentlich hinghört. Ob die Gesobau und ich Freunde bleiben, ist gerade sehr fraglich. Das Sommerloch ist ohne Loch an der Buchhandlung vorbeigegangen, war nicht zu merken, dass Ferienzeit und Baustelle vor der Tür war.
Die Bundesliga ist wieder Teil meines Lebens und zur Feier derselbigen gibt es eine schicke Lesung, am Samstag, 20. August, um 16 Uhr. Claudia Kühn liest aus ihrem wunderbaren Fußballbuch: Elfmeter für Nelly. Das ersetzt dann natürlich die Kiezgeschichte.









Land unter, jetzt bloß nich noch kälter!

Liebe Leute,
meine Wohnung wird kernsaniert und seit Tagen bin ich mit einpacken beschäftigt. Ein Umzug ohne umziehen ist schlimmer als mit. Weil man den ganzen Krempel nicht irgendwann raustragen kann, in neue, größere, schönere...Räume.
Nein, alles muß an den Wänden gestapelt werden, wo mal nichts aufgestemmt oder rausgerissen wird. Schrecklich! Eigentlich hatte ich mich gerade hübsch eingegroovt und dachte 2010 gab es genug Ärger für die kommenden Jahre.
Denkste Puppe, dankeschön!
Schlimmer geht immer, kennt man ja. Und ich heb wohl jedesmal den Finger, wenn es unangenehm werden könnte. Nuzt nix - auch das wird vorüber gehen. Ab Donnerstag zieh ich für ein paar Wochen zu meinen Jungs in die Brunnenstraße. Und gleich zu Beginn sogar die zauberhafte Wohnung der Baronin ganz für mich allein! Was täte ich nur ohne euch?
Fahre dann hoch, statt runter, um zur Arbeit zu kommen und schau mal, wie das ist, wieder im alten Revier zu sein.
Neue Bücher gibt es bald wieder, wenn ich mich unter freundschaftlichem Obdach eingerichtet habe - versprochen.
Gerade bin ich eher reif für die Klappsmühle, kann kaum einen klaren Gedanken fassen, geschweige denn vernünftige Buchtipps geben. Was ich gerade lese, hab ich eben vergessen - alle Gedanken kreisen nur noch um packen, stapeln und abhängen. Der blanke Horror! Hoffentlich wird es nicht noch kälter, alle Socken und Pullover sind bereits im Nirgendwo verschwunden.
Ob sich die ganze chose lohnt bleibt abzuwarten, eigentlich war ich ganz zufrieden aber mich fragt ja wieder mal keiner...

Schöne Aussichten!


Doris Dörrie
Alles inklusive

Diogenes
Eine Tochter, die unter ihrer Hippie-Busenwunder-von-Teneriffa-Mutter als Kind oft gelitten hat, will alles anders machen. Besser, strukturierter- schön ordentlich und geregelt. Leider ist das Gegenteil der Fall. Pech mit den Männern, der Job nervt und ist perdu, als der Mops, im Krankenstand, mit im Büro sitzt.
Dr. Freud, der Hund, ist ohnehin ihr einziger Vertrauter und Grund nicht gänzlich das Handtuch zu schmeißen.
Und dann gibt es noch die Freundin der Tochter. Die hat ein Haus in der Sonne und einen Mann, der ihr liebevoll beim Essen über die Wange streichelt, Küsschen gibt und ganz den liebenden Ehemann mimt.
Und wie immer, ist natürlich nichts so, wie es scheint...
Großes Kino für den Strandkorb! Lesen!

Oder (wieder ausgegraben):
Frank Schulz
Das Ouzo-Orakel
Eichborn Verlag
Wer dieses ultimative Sommerbuch noch immer nicht gelesen hat, sollte das unbedingt nachholen.
Jetzt ist genau die richtige Zeit!
Bodo Morten, lange in einem fränkischen Sanatorium freiwillig eingeknastet, ist im zweiten Band der Hagener Trilogie mal eben Zigaretten holen gegangen und abgetaucht. Im dritten Teil, dem Ouzo-Orakel, in Griechenland wieder erschienen. Hier hofft er auf Erleuchtung.
Kein Alkohol, keine Frauen.
Yoga, meditieren und schwimmen sind neuer Lebensinhalt des Erimiten.
Geht ziemlich lange gut, wäre nicht ein alte Jugendliebe wieder aufgetaucht.
Die wiederum ist ihrem abtrünnigen Ehemann auf der Spur, verpasst die richtige Abfahrt und landet bei einer eingeschworenen deutsch-griechischen Gemeinde...
Und das alles in einem Griechenland, wo die Welt noch in Ordnung ist (Erscheinungsdatum des Buches: 2006)!
Holla die Waldfee, da bleibt beim Lesen kein Auge trocken. Zum Brüllen komisch und melancholisch zugleich. Ein Feuerwerk der Sprache!
Übrigens: die beiden ersten Teile sind nicht halb so gut wie dieser Kracher. Kann man sich also gut sparen.
Lesen?
Unbedingt!
Und vielleicht eine Flasche Ouzo kalt stellen. Auch wenn man dieses Zeug überhaupt nicht mag-spätestens in der Mitte des Buches will man mit allen Protagonisten ein Gläschen davon trinken!

11 Freunde sollt ihr sein!

Beim Elternabend waren es 16! Genauer gesagt Freundinnen - die Männer haben diesmal durch Abwesenheit geglänzt.
Was für eine Runde! Das war mal richtig lustig, die reinste Schnatterparade. Diesmal kamen die weitesten Gäste aus Köln - Die Glorreichen Sieben. Ein Rheinland-Spezial sozusagen.
Eine Prachtveranstaltung in jeder Beziehung, das hat unglaublich viel Spaß gemacht und viele Bücher sind "über die Theke" gegangen.
Die unsichtbare Brücke, Leon und Louise und Lazarus führten die Verkaufsliste an.
Dicht gefolgt von Wie wir damals auf dem Bauernhof geheiratet haben, und der Alois am Tag drauf fast den Hund erschossen hat, weil er was gegen Stadtmenschen hat und das Glück überhaupt und Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy.
Dann noch ein paar "Kollateralbücher" und jeder war zufrieden.
Tipp:
Das Buch von Kerstin Höckel mit dem Bauernhof, dem fast erschossenen Hund und den Stadtmenschen.
Ein junges Paar scheitert am abgefallenen Auspuff, zwischen Berlin und Mittelmeer. Gestrandet auf der Schwäbischen Alb, in den Fängen von dem Alois und der Frieda kaufen die beiden versehentlich eine marode Bauernhaushälfte. Zur Hochzeit kommen noch alle Freunde aus Berlin, ansonsten verwaist man vor sich hin. Nach 10 Jahren Zweisamkeit beschäftigt sich der Franz am Wochenende lieber mit der Sense, als das abhanden gekommene Eheglück zu restaurieren.
Die Frieda und der Alois verstehen nix von urbaner Selbstfindung und versuchen das Paar mit Schweinesülze und Selbstgebranntem bei Laune zu halten.
Kommt dann doch alles ganz anders als man denkt und am Ende nickt man den Protagonisten wohlwollend zu: hätt ich euch auch gleich sagen können...
Eine Tour de Farce durch die ewigen Höhen und Tiefen des Lebens und der Liebe. Hier wird schwadroniert auf Teufel komm raus, ohne Punkt und Komma. Ein Satz ist eine Seite lang, man kommt vom Höckchen aufs Stöckchen und verliert sich im Dschungel der Unwegsamkeiten des Lebens.
Herrlich, der Sommer vorm Balkon ist gerettet!
Braucht man dieses Buch?
Jaaa!
In lauen Nächten, nach dem zweiten Prosecco mit Aperol und später, wenn's wieder richtig kalt wird, auf dem Eisbärfell vorm Kamin.


Mucksmäuschenstill

waren die Kinder am Samstagnachmittag. Haben mir ganz gespannt zugehört bei Ella Vampirella und Großvater und die Wölfe. So lange die Bundesliga Pause macht, gibt's Samstags hin und wider Abenteuergeschichten für Kinder aus dem Kiez.
Wer kommt ist da - wer nicht, selber Schuld.
Und natürlich soll es auch was mit Fußball geben!
Claudia Kühn wird aus ihrem Buch Elfmeter für Nelly lesen. Eine tolle Geschichte über Mädchenfußball - da führt kein Weg dran vorbei!
Geplant ist der 20 August. Bis jetzt ist das auch der Termin für das Sommerfest bei Prior & Mumpitz. Genaue Angaben und Einladungen wird es früh genug geben.
Lesetipps:

John Burnside: Glister
Gerade neu im Taschenbuch bei btb erschienen.
Zuerst verschwindet nur ein Junge. Durch ein kapitales Vergehen des Dorfpolizisten, finden keine Ermittlungen statt. Der einstmals schöne und blühende schottische Vorort, ist samt seinen Einwohnern seelenlos geworden. Eltern
kümmern sich nicht um ihre Kinder, eine Chemieindustrie hat Wälder und große Teile der Umgebung vergiftet.
Nach und nach verschwinden immer mehr Jungen aus der Gegend...
Als die Jugendlichen selbst irgendwann einer vermeintlichen Spur nachgehen, werden sie zu Jägern und Gejagten.
Spannend, unheimlich und düster - nichts für Sensibelchen.

Perfekt für lang(weilig)e Ferien:
und unbedingt endlich lesen:
Don Winslow und seine Frankie Machine Kriminalromane, Suhrkamp Verlag
Da wird richtig rumgeballert, ermittelt und gerne die perfekte, falsche Spur gelegt - ganz wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört.
Frank Macchiano ist eigentlich der nette Typ vom Angelladen. Mit 62 noch ganz gut dabei, was surfen und flachlegen anbelangt. Schön an der Küste San Diegos in den Vorruhestand gegangen.
Dumm nur, dass Frankie, bevor er in Rente ging, ein ziemlich kaltblütiger Mafiakiller war - und zwar der professionellste Mafiosi des gesamten Westens der USA.
Und wie es immer so ist, mit den Leuten des öffentlichen Lebens, mit den Berühmten und Berüchtigten:
Rente in Ruhe is nich!
Immer wieder muss Frankie seine Angel gegen eine Knarre tauschen und enlang der kalifornischen Küste denen zuvor kommen, die noch alte Rechnungen mit ihm offen haben...
Everybody goes surfing, surfing...
Das rockt richtig!
Braucht man dieses Buch?
Nö, am besten gleich die ganze Reihe!




Durch den Wind

im Sand und am Meer - kurz die Batterien aufgeladen und abgetaucht in die Tiefen des Wassers und die Neuerscheinungen Herbst/Winter 2011.
Die Ausbeute war gar nicht schlecht und der Bücherherbst kann kommen.
Jetzt aber erstmal:"Letzte Ausfahrt Dunckerstrasse!"
Die Reiseliteratur für die Sommerferien steht an.
Am Donnerstag den 23 Juni ab 19.30 Uhr, gibt es die ultimativen Buchtipps für die Reisetasche.
Egal ob auf Balkonien oder in fernen Ländern - Urlaub vom Alltag garantiert!
Wer schon vorher loslesen will, sollte unbedingt anfangen mit:
Julie Orringer, Die unsichtbare Brücke, Kiepenheuer & Witsch
Großer Familienepos vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Zwischen Budapest und Paris wird die außergewöhnliche Geschichte der ungarisch- jüdischen Familie Lévi erzählt. Über 800 Seiten verschlingen Raum und Zeit. Deshalb am besten vor den Ferien anfangen und der Familie auch noch etwas Aufmerksamkeit im Urlaub einräumen!

Schnelles Geld

Adaobi Tricia Nwaubani
Die Meerblauen Schuhe Meines Onkels Cash Daddy
dtv- Premium
Wer kennt sie nicht?
E-mails, die uns bitten mehrere Millionen auf unseren Konten zu parken. Geld von reichen, verfolgten Afrikanern, die uns gerne 40 Prozent und mehr versprechen, wenn wir ihr Geld in Sicherheit bringen.

Die Zeiten in Nigeria sind schlecht. Trotz Universitätsbschluss findet Kingsley keine Arbeit und kann das Brautgeld für seine angebetete Ola nicht aufbringen. Die haut nach jahrelangem Warten und auf Drängen ihrer Mutter, mit einem GutschiPradaVerehrer ab. Und Kingsley sinnt auf Wiedereroberung. Onkel Boniface alias Cash Daddy, wäre da eine Option.
Onkel Boniface, Persona non grata und schwarzes Schaf der Familie hat sich ein kleines Imperium aufgebaut. Als sein Vater schwer erkrankt, begibt sich Kingsley in die "Lehre"von Cash Daddy und versteht sich bald darauf, habgierigen Europäern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Schnelle Autos, Armani Anzüge und teure Hotels lassen Kingsleys verwundetes Herz höher schlagen. Und schwupps - ist er drin, im big business...
Ziemlich witzig, ziemlich provokant und ziemlich, ziemlich gut. Alle afrikanischen Klisches werden wunderbar bedient und eine Nigerianerin darf das auch.
Großer Lesespaß mit einer überraschenden Wendung am Ende.
Lesen!

Zugemacht - Aufgemacht

Zugemacht hat erstmal der Laden Bundesliga. Der Sportschau-Stammtisch verlagert sich Richtung Biergarten und vielleicht lesen wir, bis zum Beginn der neuen Saison, einfach mal wieder Fever Pitch, Keeper, Warten auf Perlassi oder Neue Vahr Süd.
Aufgemacht hat Moppete in der Dunckerstraße, gleich zwei Türen weiter.
Barista Mirko hat schlankerhand den Kiosk übernommen und in eine großartige italienische Bar verwandelt. Fliesen aus Italien, jede Menge schönes Interior aber alles handfest und ohne überflüssiges Schischi.
Und der Espresso, Cappuccino is echt zum Niederknien.
Eine Bereicherung - so klappts auch mit den Nachbarn.
Lesetipp :
Arno Schmidt
Seelandschaft mit Pocahontas
Bibliothek Suhrkamp
Eine erstklassige Liebesgeschichte. Ein Motorrad, zwei Männer, zwei Frauen. Im Oldenburgischen, am Dümmersee in den 50er Jahren. Urkomisch, rotzfrech und gleichzeitig ein böser Abgesang auf die gute alte Zeit. Früher war eben auch nicht alles besser.
Ihr wundert euch, dass ich mit so alten Kamellen daher komme? Kann ich verstehen! Beim Verpacken der Heimbibliothek (meine Wohnung wird bald saniert und alles muss staubsicher zusammengeräumt werden) sind mir einige alte Schätze unter die Augen gekommen.
Da müsst ihr jetzt durch. Beim nächsten Mal gibt's dann wieder was ganz, ganz Neues.
Übrigens wurde in TTT Zweite Person Singular als herausragend besprochen (siehe letzter blog)
Sag ich doch!

Doppelpack

Außergewöhnlich:
Sayed Kashua: Zweite Person Singular
Berlin Verlag
Zwei arabische Israelis, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Teil des jüdischen Israels zu sein.
Ein Sozialarbeiter in Westjerusalem, der die Identität des gelähmten Jonathans annimmt. Seine Kleidung, seine Musik, sein Leben.
Ein erfolgreicher Rechtsanwalt lebt ganz im modernen, selbst gebastelten Individualismus, voller Statussymbole. Auch er möchte sich frei fühlen, in einem Land, dass es arabischen Israelis so schwer macht.
Jeder tut als ob, glaubt irgendwann selbst, es sei und wird doch eingeholt von seiner wahren Identität.
Mit einem großen Kunstgriff, der den Leser von Beginn an stark involviert, hat Kashua die Zerrissenheit zwischen jüdischen und arabischen Israelis, die Ausnahmesituation der A-B- und C-Gebiete der Westbank in einen neuen Fokus gesetzt.
Ein spannendes und kluges Buch.
Lesen!

Außerordentlich charmant:
Joanna Trollope
Schwiegertöchter
Bloomsbury
Wer kennt sie nicht? Die Übermütter, die niemals das Zepter aus der Hand geben wollen!
Ein hinreißendes Buch über Mütter und Söhne, Schwiegermütter und Schwiegertöchter. Väter, die sich gerne raushalten und Kinder, die die Welt in Ordnung bringen. Nichts ist für die Ewigkeit und die stillsten Wasser haben manchmal die tiefsten Abgründe.
Eine Ode an die Familie und ein Abgesang auf deren Heiligkeit.
Auch Mütter müssen irgendwann mal in Rente gehen und manchmal muss die Welt etwas nachhelfen...
Braucht man dieses Buch?
Nein aber es macht unglaublich viel Spaß, es zu lesen!

Eierschlacht

Das also war Ostern!
Die Berliner Osterhasen waren ganz schön fleißig. Vielen Dank liebe Kunden und Freunde für die zahlreichen Ostereier! Kommt doch zwischendurch vorbei und wir schlachten dann gemeinsam das ein oder andere Schokoladenhäschen - allein schaff ich das nämlich nicht.
Zwischen Osterbraten und Schokoladeneiern gelesen:
Kathryn Stockett
Gute Geister
btb Roman
Mississippi in den 60er Jahren. Ein Roman über afroamerikanische Dienstmädchen und ihre weißen Arbeitgeber, über Rassentrennung und Herrenmenschen.
Ein echter Frauenroman, Männer können ruhig die Finger davon lassen. Ein Stück amerikanischer Geschichte und ein Entwicklungsroman über drei Frauen, die mit allen Konventionen brechen und etwas ganz Großes wagen. Ein Buch über Menschen und Menschenfresser.
Fast 600 Seiten, die einem Zeit und Raum stehlen!
Unverschämt gut und irre spannend!
Keine ganz große Literatur vielleicht aber ein Debut, dass es in sich hat!
Leider ist das Cover völlig daneben- geht gar nicht.
Hübsche Heckenröschen auf himmelblau, wie kann man nur...
Und wer sich schämt, dieses Buch öffentlich mit sich zu führen (ich könnt's verstehen) kann ja einen Schutzumschlag drum tun.
Oder lest es zu Hause, heimlich (würde ohnehin gut zur ganzen Geschichte passen) egal. Hauptsache, ihr lest dieses Buch!

Eiertanz

Der Osterhase steppt bei mir im Laden. Kaum zu glauben aber wahr! Deshalb: keine weiteren Lesetipps an dieser Stelle. Außer vielleicht die einzig wahre Ostergeschichte:
Hubert Schirneck
Wir, die Osterhasen!
Eine herrliche Verrücktheit über kränkelnde Oberosterhasen, Wein trinkende Füchse, schießende Hexen und extra lange Plüschohren.
Ich jedenfalls wünsche viele bunte Eier, gute Bücher im Nest und drücke den Hasen die Daumen, dass sie nicht erwischt werden!

So weit so gut - das war der "ELternabend" ! Montag vor Ostern ist geöffnet!

So weit, weil diesmal der weiteste "Elternabend"Besucher nicht aus Frohnau sondern aus dem schönen Wien kam! Ein Münchner noch direkt vom Bahnhof, ok - aber der lebt ja eigentlich in Berlin, zählt also nicht!
So gut, weil die Stimmung großartig war, alle Plätze besetzt waren, viel Wein und wenig Wasser geflossen ist und im Anschluss ziemlich heiß über "Angerichtet" von Herman Koch diskutiert wurde.
Der "Elternabend" hat sich ganz gut etabliert und auch "Nichteltern" nutzen zunehmend den schnellen Abriss ausgewählter Literatur.
Natürlich waren Angerichtet und Titos Brille die Stars des Abends. Alle Bücher sind "dann mal weg" aber bereits wieder nachbestellt und die Kunden üben sich in Geduld. Ab Mittwoch können beide Titel wieder im Stapel angerichtet werden!
Leider kann ich die Nachlese im Moment nicht senden, da es Schwierigkeiten mit dem Postausgang gibt. Sollte bis Dienstag der Schaden nicht behoben sein, füge ich die Liste einfach hier ein. Wahrscheinlich ist die Adressendatei zu groß geworden und ich weiß nicht so richtig, was ich jetzt machen kann. Vielleicht kann es morgen jemand richten, ansonsten lest es einfach hier nach!
Tipp bis zur Nachlese:
Sabina Berman
Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte
Verlag S.Fischer

Was für ein irres Buch!
Ein Kaspar Hauser Mädchen aus dem Meer. Vom autistischen, kratzbürstigen Wildfang zur First Lady des Fischfangs, zur Herrin der Thunfischfabrik des Großvaters.
Neopren ist ihr angenehmer als Samt und Seide und wenigstens unter Wasser hat man seine Ruhe.
Nachhaltigkeit versus Globalisierung, High Tech gegen sanften Fischfang und die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, bestimmen den Tenor der Geschichte. Ein unbändiges Frauenzimmer zeigt der Welt den Finger, den berühmten und lässt den Fischen am Ende die Freiheit selber zu entscheiden, wo sie enden wollen...
"Free Willy" aus der Dose!
Ganz großartig!
Unbedingt lesen!
Und dann noch:
am Montag vor Ostern ist geöffnet! Von 10 - 19 Uhr!

Ab durch die Mitte !

Am Samstag haben wieder mal zwei "Ehemalige" aus Mitte, den Weg in die Dunckerstraße gefunden!
"Gute Bücher gute Beratung" überzeugt dann doch. Schön wars und meine liebe Frau D. wird wiederkommen und Herr v. L. auch. "So weit ist's eigentlich gar nicht" war der Tenor und lohnen tät sichs allemal!
Find ich auch!
Gute Kinder- und Jugenbuchberatung geht eben doch nicht so nebenbei. Die Kunden merkens irgendwann und mich freut jede, noch so späte Erkenntnis. Eine große Überraschung und ein freudiges Wiedersehen war's obendrein. Die Bücher für erwachsene Leser wurden dann auch gleich mit "eingetütet" - man kennt sich schließlich schon seit vielen Jahren.
Zwischen Ökomarkt, Spielplatz und Kaffeesieren in der Bäkerei, wird der Besuch in meiner Buchhandlung einfach mit eingeschoben. Die Samstage haben sich mittlerweile zum Mittetreff im Prenzlberg entwickelt.
Der "harte Kern der Ehemaligen" kommt ja schon lange in die Dunckerstraße und so nach und nach sind wir wieder alle beisammen.
Buchtipp ?
Gibt's heute nicht!
Mittwoch, 6. April ab 19.30 Uhr ist "Elternabend" in der Buchhandlung!
Da kriegt ihr bei Wein und Wasser alles vorgestellt, was gut und wichtig ist.
Und wer nicht kommt ist selber schuld!